© Lucas Winke

Ballenstedt, Sachsen-Anhalt

Welche Themen bewegen Sie gerade in der Kommunalpolitik?

Ballenstedt strahlt als ehemalige Residenzstadt mit vielen architektonischen und landschaftlichen Glanzpunkten immer noch eine spürbare Eleganz aus. Zum Stadtbild gehören leider auch heruntergezogene Rollos, gähnende Leere in den Schaufenstern, viele leerstehende Gebäude und eine fast menschenleere, verödete Innenstadt.  

Der Aufenthalts- und Rückzugsort im Alltag sind häufig gerade für Jugendliche die eigenen vier Wände.  

Die Corona-Pandemie hat diese Problemlage noch verschärft. Die tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen der letzten Jahre in unserer Region beeinflussen individuelle Biografien und haben Auswirkungen auf heutige und zukünftige Handlungspotentiale der Menschen. Es verwundert nicht, dass aufgrund der Komplexität der Problemlagen die Unzufriedenheit wächst. Allzu oft erschöpft sich dieses Unzufriedensein darin, mit anderen darüber zu sprechen und die Verantwortung zur Veränderung anderen zu übereignen. Dem Festhalten an alten Mustern, der Angst vor Veränderungen, dem Fremden, der Hemmungen vor Fehlentscheidungen stehen der Mut zur inneren und äußeren Veränderung, Risikobereitschaft und Enthusiasmus gegenüber. Dafür möchten wir uns einsetzen. 

Steckbrief

Kommune Ballenstedt
Bürgermeister Dr. Michael Knoppik
Parteizugehörigkeit des Bürgermeisters CDU
Bundesland Sachsen-Anhalt
Einwohnerzahl 9.000
Einwohnerinnen und Einwohner zwischen 12 und 15 606
© Stadt Ballenstedt
Dr. Michael Knoppik, Bürgermeister von Ballenstedt

»Wir brauchen Impulse. Impulse gewinnt man durch Austausch.«

Warum nehmen Sie an Jugend entscheidet teil?

Im Kern der Transformation stehen die lebendigen Beziehungen zwischen Menschen. Die Chance kleinerer Städte, Dörfer und Regionen liegt darin sich selbst neu zu erfinden, indem sie ihre sozialen Potenziale heben. 20 Prozent unserer Einwohner und Einwohnerinnen sind jünger als 20 Jahre. Für eine sachsen-anhaltinische Kleinstadt ist das eine ganze Menge. Das Durchschnittsalter im Stadtrat liegt allerdings bei 58 Jahren. Das birgt natürlich die Gefahr, dass die Belange jüngerer Menschen übersehen werden. Wir möchten daher die Interessen und Erfahrungen von Jugendlichen in Zukunft mehr berücksichtigen, sie in die Entscheidungsfindung einbeziehen.

Was soll sich durch Ihre Teilnahme an Jugend entscheidet in Ihrer Kommune verändern?

Von der Teilnahme an Jugend entscheidet erhoffen wir uns als Stadt eine Stärkung der Bürgerpartizipation innerhalb der Kommunalstrukturen und eine Förderung demokratischer Partizipation. Wir wollen Mut machen, Bürgerbeteiligung insbesondere von Kindern und Jugendlichen sinnvoll anzugehen und mit anderen Menschen in den Austausch zu treten. Wir brauchen Impulse. Impulse gewinnt man im besten Fall durch Austausch, und zwar über regionale, religiöse, kulturelle, soziale, ethnische Grenzen hinweg.  

Die Zukunft dieser Gesellschaft und der Demokratie wird immer mehr eine kommunale Sache sein, weil wir in einem begreifbaren Lebensumfeld operieren. Damit ein respektvolles Zusammenleben gelingt und Vielfalt zur Stärke unserer Stadtgemeinschaft wird, möchten wir diese aktiv gestalten. Auf der lokalen Ebene ergeben sich Spielräume für die Entwicklung von erfolgreichen Umgangsformen mit kultureller Vielfalt, die wir gerne nutzen wollen. Mit der Teilnahme an Jugend entscheidet wollen wir zu einem „Laboratorium der Vielfalt“ werden, um auf lange Sicht erfolgreiche lokale Konzepte im Umgang mit Vielfalt anstoßen.