"Die Art und Weise, wie die Jugendlichen ihre Projekte vorgestellt haben, hat mich sehr beeindruckt"
Ihre Gemeinde Nottuln hat im letzten Jahr an Jugend entscheidet teilgenommen. Welche Projekte haben Sie mit den Kindern und Jugendlichen gemeinsam umsetzen?
Vollständig umgesetzt ist eins der fünf Projekte, die die Jugendlichen erarbeitet haben: Während des Sommerempfangs der Gemeinde wurden Nistkästen von den Gästen gebaut, die inzwischen im ganzen Gemeindegebiet aufgehängt wurden.
Ein weiteres Projekt ist der Wunsch nach Durchführung von Projektwochen zum Thema Klimaschutz. Hierzu gab es erste Gespräche zwischen den Schulen, den Jugendlichen und der Verwaltung.
Der Container als Treffpunkt ohne Erwachsene ist aufgestellt und gerade werden die letzten Arbeiten erledigt. Zur Eröffnung wird es im April einen Graffiti-Workshop für die Jugendlichen geben, um den Container in ihrem im Sinne zu gestalten. Der Workshop endet mit einem gemeinsamen Picknick der Jugendlichen und dem Bürgermeister.
Der Skatepark ist das größte, teuerste und umfangreichste Projekt. Es gab Workshops mit den Jugendlichen und dem Planungsbüro, ebenso wie Treffen mit den Anwohnern, die deutliche Kritik und Sorgen äußerten. Zwischenzeitlich war das Projekt mit einem Sperrvermerk versehen, der aber nun aufgehoben ist, so dass die Planung weitergehen kann.
Das Projekt zum Thema Blühstreifen ist noch nicht gestartet, weil wir personelle Veränderungen innerhalb der Verwaltung und zwischenzeitlich keine Kapazitäten für das Projekt hatten.
In Nottuln wurden alle fünf der mit den Jugendlichen ausgearbeiteten Anträge verabscheidet. Was waren die Erfolgsfaktoren für dieses positive Ergebnis?
Ich glaube, dass mehrere Faktoren zusammenkamen: Die Jugendlichen wurden durch die Thementage von Beginn an aktiv in den Prozess eingebunden, bei dem realistische und gut durchdachte Vorschläge entstanden. Sie wurden im Anschluss durch Mentor:innen begleitet, wodurch die Anträge strukturiert und politisch umsetzbar formuliert werden konnten. Auch die enge Zusammenarbeit mit Politik und Verwaltung im kommunalen Team sowie eine offene, konstruktive Atmosphäre trugen zum Erfolg bei. Entscheidend war auch, dass die Inhalte konkret, finanzierbar und für die Gemeinde nachvollziehbar nützlich waren.
Vor welchen Herausforderungen standen Sie und wie sind Sie diesen begegnet?
Die größte Herausforderung war und ist noch immer, den Kontakt zu den Jugendlichen herzustellen, bzw. zu halten. Die Schulen und der Jugendtreff haben uns bei der Kontaktaufnahme im Vorfeld sehr unterstützt, letztlich war der persönliche Brief des Bürgermeisters der Weg, der die meisten Jugendlichen zu den Thementagen gebracht hat. Im Nachgang zu den Thementagen waren es die Mentor:innen, die entscheidend dazu beigetragen haben, dass wir mit den Jugendlichen in Kontakt bleiben konnten.
Was ist schwerer als vielen denken? Was leichter?
Wir hatten gehofft, Projekte zügiger umsetzen zu können. Leider brauchen viele Verfahren und Abstimmungen aber ihre Zeit. Wichtig ist, die Jugendlichen kontinuierlich zu informieren und bei der Stange zu halten. Sie müssen wissen, dass die Projekte im Hintergrund weiterlaufen, auch wenn “nach außen“ noch nichts sichtbar ist.
Was hat Sie besonders bei den Kindern und Jugendlichen beeindruckt?
Die Art und Weise, wie die Jugendlichen ihre Projekte vorgestellt haben, hat mich sehr beeindruckt. Egal ob bei den Thementagen oder später im Ausschuss, sie haben sich super präsentiert und sehr klar gemacht, was sie sich wünschen und warum ihre Projekte auch für den Ort und die anderen Jugendlichen wichtig sind.
Was haben Sie durch die Projektteilnahme in Ihrer Kommune verändert?
Der Gemeinderat hat erstmals ein Jugendkonzept beschlossen, in dem klar geregelt ist, wann welche Art der Jugendbeteiligung erfolgt. Neu ist auch, dass die Jugendlichen nun ein eigenes Budget für Projekte haben und dass es als Kontaktperson eine Jugendbeauftragte gibt, die bei der Gemeinde Nottuln angestellt ist.
Welchen Tipp haben Sie für Kommunen zu Kinder- und Jugendbeteiligung?
Wir haben für die einzelnen Projekte Mentor:innen gefunden, die die Jugendlichen bei allen Schritten unterstützt und die den Kontakt zu ihnen gehalten haben. Ich glaube, dass das ein Schlüssel zum Erfolg war, der aber auch viel Zeit und Engagement der Mentor:innen erfordert.
INFO Das Interview wurde schriftlich durch das Jugend entscheidet Team geführt. Mehr zu Jugend entscheidet in Nottuln erfahren Sie auf dem Blog der Gemeinde.